Ziele setzen ja oder nein?

Eines vorweg: Ich beantworte diese Frage mit einem klaren Ja. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Denn was sind überhaupt Ziele? Nicht alles, was wir als solches bezeichnen, will ich meinen. Und deshalb unterscheide ich zwischen Wünschen, Visionen und Zielen. Denn erst, wenn wir diese Unterscheidung machen, sind Ziele rückhaltlos zu empfehlen.

In diesem Artikel umreiße ich zunächst, was Ziele von Visionen und Wünschen unterscheidet. Ausgehend davon unterscheide ich weiter zwischen verschiedenen Arten von Zielen und gebe jeweils Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung. Dabei beschreibe ich auch, wie ich selbst mit Zielen arbeite.

Dies ist ein Meinungsbeitrag zur Blogparade „Ziele setzen – Ja oder Nein?“, die Martin Grünstäudl auf seinem Blog „1001 Erfolgs-Geheimnisse“ veranstaltet.

Ziele, Wünsche, Visionen – alles das gleiche oder nicht?

Oft habe ich schon festgestellt, dass in Diskussionen jeder etwas anderes unter Zielen versteht. Geht es um Lebensziele? Werte und Idealbilder? Dinge, die man generell erreichen will oder ganz konkrete, nachprüfbare Schritte? Wer hier keine klare Unterscheidung macht, kann schnell frustriert feststellen, dass es nichts bringt, sich Ziele zu setzen, weil er ja doch jedes Jahr seine guten Vorsätze schon am Neujahrstag wieder begräbt.

Fangen wir gleich an mit den gescheiterten Neujahrsvorsätzen. Diese sind oftmals nichts von alledem, sondern Dinge, die man sich vornimmt, weil man sie „tun sollte“ oder „irgendwie für richtig“ hält. Alles, was mit größeren Zielen zu tun hat, muss aber aus einem selbst kommen. Ich kann noch so oft SAGEN, dass ich 10 kg abnehmen will, weil ich objektiv gesehen Übergewicht habe, aber nur wenn ich in mir das ehrliche Bedürfnis verspüre, dünner zu sein, werde ich eine Diät auch umsetzen.

Also, Regel 1: Ein größeres „Ziel“ erreicht man nur, wenn man das ehrliche Bedürfnis dazu hat.

Man könnte jetzt anmerken, dass einem Diätplan doch sicher das Bedürfnis zugrunde liegt, gesund und hübsch sein zu wollen. Das Problem daran ist aber, dass dieses Bedürfnis derart allgemein ist, dass es nicht zur Formulierung konkreter Ziele taugt.

Ich bezeichne solche allgemeinen Aussagen als Wünsche. Ein Wunsch ist ein grundlegendes, allgemeines Anliegen, das im Alltagsleben und –denken eine untergeordnete Rolle spielt. Wünsche fließen in Entscheidungen ein, können diese üblicherweise aber nicht alleine tragen. Sie können als Basis zur Entstehung von Visionen dienen.

Visionen sind relativ konkrete Leitgedanken und Entwicklungsperspektiven, die sich auf abgegrenzte Bereiche des Lebens beziehen. Sie basieren auf den aktuellen Fähigkeiten, Denkweisen und Umständen. Das heißt insbesondere, dass man jederzeit (ohne Jahre zu warten) einen Schritt auf ihre Erfüllung hin arbeiten kann. Dadurch wird jedoch nicht ausgeschlossen, dass das komplette Umsetzen der Vision sich über Jahrzehnte erstrecken kann.

Auf ihrer Basis lassen sich schließlich Ziele formulieren. Ein Ziel ist ein spezifischer, realistisch erreichbarer, nächster Schritt zur Erfüllung einer Vision. Ich lege dabei sehr viel Wert darauf, dass es sich um einen NÄCHSTEN Schritt handelt. Denn es bringt nichts konkrete Schritte zu planen, die noch gar nicht relevant sind. Das kann man besser, wenn es so weit ist.

Wunsch, Vision, Ziele: Ein Beispiel

Ich will die Abgrenzung der drei Begriffe an einem Beispiel illustrieren. Nehmen wir einfach diesen Blog hier. Er ist aus der Vision entstanden, dass Persönlichkeitsentwicklung ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und Arbeitens sein soll.

Das ist deshalb eine Vision und kein Wunsch, weil mich Persönlichkeitsentwicklung nun schon mehrere Jahre begleitet und ich deshalb weiß, was dieser Lebensstil bedeutet. Es ist nichts Abstraktes, Ungreifbares, sondern etwas, dass ich schon lange Zeit für mich selbst tue und nun auch mit anderen teilen möchte.

Der dahinterstehende Wunsch ist deutlich allgemeiner und lautet, dass ich ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen und in der Lage sein will, selbst über meine Zeit zu bestimmen. Dass es sich dabei um einen Wunsch und keine Vision handelt, sieht man daran, dass sich jeder etwas anderes darunter vorstellen kann.

Für den einen heißt das, den ganzen Tag faul auf der Couch zu liegen und von Zinseinnahmen zu leben. Für den anderen, einen verantwortungsvollen Job zu übernehmen. Und ich habe daraus in Verbindung mit meinen Interessen und Fähigkeiten die Vision entwickelt, als psychologischer Berater mein Glück zu versuchen.

Ob ich meine Vision umsetzen kann, das wird man sehen. Klar ist aber, dass es konkrete Schritte gibt, die mich diesem Ziel näher bringen. So habe ich mir zum Beispiel ein halbes Jahr Auszeit vom Studium genommen, um unter anderem diesen Blog aufzubauen und mich intensiv mit meiner eigenen Entwicklung zu befassen.
Letzte Woche habe ich zudem mit einer einjährigen Ausbildung in humanistischer Psychotherapie begonnen, in der ich deren Methoden an mir selbst erfahre und anwenden lerne. Das langfristige Ziel davon ist, dass ich mit 25 Jahren die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie ablege, um therapeutische Methoden in meiner Arbeit offiziell anwenden zu dürfen.

Langfristige, mittelfristige und kurzfristige Ziele

Das alles sind langfristige Ziele von etwa 6 – 12 Monaten Dauer und für viele Menschen reichen diese schon aus, um sich hinreichend auf Spur zu halten. Das funktioniert jedoch nur, wenn sie Teil einer starken Vision sind, die so viel Stellenwert im Leben hat, dass man sie nicht aus den Augen verliert.

Für weniger prominente Ziele empfehle ich noch eine weitere Unterteilung in mittelfristige (ca. 1 Monat) und kurzfristige Ziele (ca. 1 Woche) Ziele. Ein mittelfristiges Ziel für diesen Blog war beispielsweise das Schreiben der ersten 10 Beiträge. Ab dann wollte ich den Blog langsam in meinem Umfeld bekannt machen. Kurzfristige Ziele waren das Auswählen und Anpassen des Designs, oder das Schreiben von drei konkreten Artikeln, die ich mir für eine Woche überlegt hatte.

Hier muss jeder seinen eigenen Stil finden, indem er mit verschiedenen Zielsetzungsstrategien experimentiert. Ich für meinen Teil fahre zurzeit sehr gut mit einer Kombination aus starker Vision, langfristigen und kurzfristigen Zielen.

Dabei plane ich die kurzfristigen Ziele meist aus der laufenden Arbeit heraus. Das heißt ich setze mir Ziele immer dann, wenn sie mir während der Arbeit anfallen und dann eben in einem Zeitraum von etwa 7 Tagen. Montagmorgens gleich alle Ziele für eine Woche zu planen fand ich immer unnatürlich und zeitraubend.
Flexible Tagesziele als Einstiegspunkte

Außerdem setze ich mir noch flexible Tagesziele. Flexibel deshalb, weil es Tage gibt, an denen ich die ganze Liste abarbeite, aber auch Tage, an denen ich die Liste, die ich mir am Abend vorher überlegt habe, nicht einmal anschaue.

Ich komme nämlich ganz schlecht damit klar, wenn ich mich durch so eine Liste unter Druck setze und das Gefühl habe, dass ich jetzt unbedingt alles abarbeiten muss. Das ist erstens unrealistisch und zweitens ist es einengend, weil immer mal etwas dazwischen kommen kann oder ich vielleicht an einem Tag gar keine Lust habe, mich einer bestimmten Aufgabe zu widmen.

Deshalb betrachte ich diese konkreten Tagesziele, wie z.B. „Schreib den Artikel zum Thema XYZ fertig“ oder „Kauf eine Winterjacke“, als reine Vorschläge, auf die ich zurückkommen kann, wenn mir nichts Besseres einfällt.

Wenn ich mich also morgens an meinen Schreibtisch setze und keine Idee habe, woran ich gerade gern arbeiten würde, dann schaue ich auf diese Liste und suche etwas Passendes. Wenn ich aber schon beim Aufstehen an eine ganz bestimme Tätigkeit denke, dann arbeite ich natürlich daran, statt den Drang zu unterdrücken und mich gezwungenermaßen einer geplanten Aufgabe zu widmen.

Für mich hat sich das als angenehmste Möglichkeit erwiesen, weil sie die Vorteile einer konkreten Planung mit der Flexibilität keiner Planung vereinigt und keinen Stress hervorruft.

Macht euch nicht zum Sklaven von Zielen

Letzten Endes empfehle ich mal wieder, dass jeder selbst experimentiert, was ihm am besten liegt. Die Situationen und Vorlieben sind einfach zu unterschiedlich um hier pauschale Regeln zu präsentieren. Ich hoffe trotzdem, dass euch meine Gedanken zum Thema Ziele vielleicht den einen oder anderen Denkanstoß geliefert haben.

Alles in allem: Macht euch eure Wünsche bewusst, entwickelt starke Visionen und dann habt ihr schon die halbe Miete. Die andere Hälfte ist es, ausgehend von euren Visionen konkrete Ziele zu setzen, wie auch immer ihr das gerne tut. Hauptsache, ihr macht euch nicht zum Sklaven eurer Ziele und bewahrt euch Flexibilität und Freude an der Arbeit. Denn dann sind Ziele wie die Wegweiser auf eurem Pfad zur Erfüllung eurer Visionen und helfen euch, auf dem eingeschlagenen Weg zu bleiben.

Eine gute Möglichkeit, um euch an Visionen und Wünsche zu erinnern sind übrigens Belief Boards. Außerdem kann es hilfreich sein Gewohnheiten aufzubauen, um Ziele effizienter zu erreichen. Dazu eignen sich zum Beispiel 30-Tages-Herausforderungen. Hilfreich kann es auch sein, die intrinsische Motivation für ungeliebte Aufgaben gezielt zu stärken.